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Genetik

Golden-Vererbungstheorie
Es ist nicht alles Gold, was glänzt – oder: wie entsteht eigentlich die „Golden“ - Katze? Wer Katzen züchtet, hat die Qual der Wahl. Viele Katzenrassen erscheinen inzwischen in einer Fülle von herrlichen Farben – und ständig werden es mehr. Nur zu leicht kann man hier den Überblick verlieren. Wer spezielle Farben züchten will, muss sich inzwischen tief in die Fortpflanzungsgenetik und die Mendel´schen Gesetze vergraben, um nicht bei jedem neuen Wurf, Bauklötze staunend, vor der schnurrenden Mama in Ihrer Wurfkiste zu stehen und sich zu fragen „Was ist da eigentlich drin?“ Obwohl es inzwischen einige wunderbare Bücher gibt, die dem interessierten Züchter mit Rat und Tat zur Seite stehen, ist man bei der Zucht seltener Farbe immer noch auf den klugen Ratschlag erfahrener, hilfsbereiter Züchterkollegen, das Internet, oder die eigene Experimentierfreude angewiesen. Und doch gibt es eine Farbe, um die sich nach wie vor wilde Gerüchte durch diverse Chatrooms im Netz ranken, und von der die meisten nur den Namen kennen „Golden“. Kostbar klingt allein der Name, selten ist sie sowieso, doch was steckt eigentlich dahinter? Dieser Artikel will sich dem Phänomen „Golden“ annähern, um zu zeigen, dass es sich hier um eine ganz „normale“ Farbe handelt, die durchaus kein Zufallsprodukt ist, sondern einen nachvollziehbaren Vererbungsweg zeigt. Die Erklärung dieses Vererbungsweges stützt sich auf eine aktuelle Theorie, da es in der Molekulargenetik und Genanalyse noch keine Untersuchungen darüber gibt. Wie man weiß, ist jede in sich schlüssige Theorie solange gültig, bis die Praxis eventuell eine Abweichung beweist. 1. Wie entsteht eigentlich Farbe? Die Farben, in denen ein Lebewesen erscheint, entstehen durch die Reflexion des Lichts auf dem Körper. Verschiedene Körperstrukturen reflektieren unterschiedliche Anteile der Spektralfarben und vermitteln uns so einen Eindruck von ihrer Beschaffenheit und „Farbe“. Die Farben von Haut , Haar und Augen werden durch ihre Pigmentierung bestimmt. Man nennt die hier auftretenden Pigmente „Melanine“. Melanine liegen in den Körperzellen als mikroskopisch kleine Körnchen, „Granula“ genannt, vor. Diese „Granula“ können völlig verschieden in Form, Größe, und Anordnung auftreten, und reflektieren das Licht auf unterschiedliche Weise. Chemisch gesehen gibt es im Katzenhaar nur zwei unterschiedliche Melanine: Eumelanin und Phaeomelanin. Eumelanin liegt in der Grundform nahezu kugelförmig vor und absorbiert deshalb nahezu alles Licht. Es dringen keine Spektralanteile nach außen, das Haar erscheint Schwarz. Phaeomelanin liegt in der Grundform als längliche, dabei aus vielen Flächen zusammengesetzte, Form vor. Durch diese Form wird Licht im Rot-Orange-Bereich reflektiert. Das Haar erscheint rot. Aha, das hört sich schon etwas bekannter an, oder? Das wissen die meisten von uns, das es diese zwei Grundfarben gibt bei Katzen, oder? 2. Aus zwei Farben werden viele – warum? Die Pigmentgranula im Katzenhaar werden während des Wachstums des einzelnen Haars gebildet. Dabei wird von den pigmentproduzierenden Bausteinen der Zellen eine Information abgelesen, die genau festlegt, wann wie viel des Pigments gebildet werden soll, und auch in welcher Form: Zum Beispiel: Viel Pigment, einzeln liegend, in der Grundform, oder: wenig, aber dafür zu Klumpen zusammengeballt, oder: nur an der Haarspitze, länglich geformt, und dann gar nicht mehr. All diese verschiedenen Informationen sind sogenannte Mutationen der Pigmentproduktion. (Für alle ängstlichen Leser: Mutation ist nicht gleichbedeutend mit Krankheit!) Wir sehen diese verschiedenen Mutationen als verschiedene Farben bei unseren Katzen, sie heißen z.B. Blau, Cream, Cinnamon, oder Silber, und wer sich schon häufiger mit dem Thema beschäftigt hat, kennt sicher auch das Fachchinesisch der Erbfaktoren, wie Dilution, Inhibition, agouti, tabby, und so weiter. Wichtig für uns ist hier aber nur: Das Pigment ist immer das gleiche: Eine genetisch schwarze Katze hat Eumelanin, eine genetisch rote Katze Phaeomelanin. (Natürlich wissen wir alle, das „bunte“ Mädchen beides haben, diesen Fall wollen wir hier aber nicht diskutieren.) 3. Agouti – das gestreifte Haar Haben Sie Ihre Katze neben sich sitzen? Für den Fall, das es sich nicht um ein Tier in einer „soliden“ Farbe, wie zum Beispiel Schwarz oder Blau handelt, sondern um eines der häufigeren hell-dunkel gemusterten Tiere, streicheln Sie sie mit der einen Hand, mit der anderen zupfen Sie einige Haare aus den helleren Partien der Musterung aus (dabei weiterstreicheln!!) und nach einer gebührenden Entschuldigung legen sie die Haare auf ein Stück dunkles Papier oder Stoff.. Betrachten Sie ein einzelnes Haar genau. Sie sehen: Eine dunkle Haarspitze, ein helleres Band, wieder einen dunkleren Bereich, der zur Haarwurzel hin etwas blasser wird. Dies ist die sogenannte Agouti-Bänderung (A) oder auch ticking genannt. Sie wird gemeinsam mit der Tabby-Zeichnung vererbt (Ausnahme: Abessinier-ticking). Wichtig ist für uns die Entstehung: Zu Beginn des Haarwachstums läuft die Pigmentproduktion auf vollen Touren, die Haarspitze wird voll gefärbt. Danach wird die Produktion heruntergefahren. Es befinden sich wenige Pigmentgranula im Haarschaft, das Haar erscheint heller. Danach wird die Produktion wieder angekurbelt, der Haarschaft ist prall gefüllt mit Pigment, das Haar erscheint dunkel. Wenn sich das Haarwachstum seinem genetisch programmierten Ende nähert, wird auch die Pigmentsynthese heruntergefahren, der Haargrund erscheint häufig etwas blasser. Für uns erscheinen die unterschiedlichen Bänder unterschiedlich gefärbt, weil sie das Licht unterschiedlich reflektieren. In Wahrheit wird dieser Eindruck jedoch nur durch die unterschiedliche Anordnung desselben Pigments erzeugt. Es gibt KEINEN Wechsel von Eumelanin (Schwarz) und Phaeomelanin (Rot) im selben Haar! 4. Shading: Silber und Gold Bisher haben wir davon gesprochen, das ein Haar zwar hellere Partien haben kann, aber es war nie wirklich „farblos“. Hier müssen wir von einer neuen Modifikatorengruppe sprechen, die das „Shading“ bewirken. Inhibitoren bringen einerseits die Pigmentproduktion während der Wachstumsphase des einzelnen Haars völlig zum Erliegen. Andererseits nehmen die Modifikatoren Einfluss auf die Agoutibänderung des einzelnen Haars und können sie erweitern. Im Extremfall ist nur noch die äusserste Haarspitze pigmentiert (Chinchilla). Wenn die farblosen Bereiche im Haarschaft weisslich sind, sprechen wir von „Silber“. Sehen sie gelblich aus, sprechen wir von „Golden“. Das Shading vererbt sich dominant, das heisst, nur ein Elternteil muss es an den Nachwuchs weitervererben, damit das Phänomen in Erscheinung tritt. Über den genetischen Ursprung dieser Erscheinung wurde viel spekuliert. Zuerst nahm man an, ein sogenanntes „Chinchilla-Gen“ (Ch) sei verantwortlich dafür, es wurde als ein Allel am Albino-Locus vermutet. Diese Theorie ist inzwischen durch Experimentalzucht widerlegt. In diesem Fall gäbe es nämlich keine Katzen in shaded-point, mink, oder sepia. All diese Farben wurden aber inzwischen gezüchtet. Etwas jünger ist die Annahme, ein einzelnes dominantes Gen, der sogenannte Inhibitor (I) sei verantwortlich. Niemand konnte jedoch erklären, woher in diesem Fall die unterschiedlichen Abstufungen von „Silber“ (und „Golden“) kommen sollten. Die Erscheinung von „Golden“ wurde in diesem Fall ausschließlich der Rufismusgruppe (siehe 5.) zugeschrieben. Auch diese Theorie erwies sich als ungenügend, da sie den praktischen Erfahrungen der Züchter widersprach. Neuere Veröffentlichungen gehen von einer polygenen Vererbung aus. Einerseits wird ein Inhibitor (I) angenommen, der bei Silber die Produktion von Pigment in den hellen Bereichen des Haarschafts unterbindet. Gekoppelt damit soll eine Gengruppe existieren, die die Breite des Agouti-Bandes modifiziert (wb für wide-band). Dies erklärt sowohl das Fehlen von Pigment als auch die unterschiedlichen Abstufungen in der Intensität. Normalerweise werden die beiden Faktoren (I) und (wb) gemeinsam vererbt. Es ist deshalb anzunehmen, das sie auf einem Chromosom relativ nah beieinander liegen. Doch die Natur wäre nicht entwicklungsfähig, wenn es nicht auch anders ginge. Unter bestimmten Bedingungen können sich in der Meiose (für alle „normalen“ Katzenfreunde: in der Meiose werden die Chromosomen der Elterntiere während der Fortpflanzung „neu sortiert“) Teile des Erbguts von einem Chromosom auf ein anderes verlagern. Einen solchen Austausch nennt der Biologe „crossing over“. Wenn ein Gen ganz am Ende eines Chromosomenstranges liegt, kann es dabei auch einfach „verloren gehen“. Diese Vorgänge sind keineswegs selten. Sie sind natürliche Ursachen für Mutationen, und ohne Mutationen gäbe es keine Evolution. Wichtig: durch einen solchen (oder ähnlichen) Vorgang können (I) und (wb) voneinander getrennt werden. Glück für uns: denn jetzt nähern wir uns dem Entstehen der goldenen Farbe in Riesenschritten. Eine Katze, die nur noch die (wb) Modifikatoren besitzt, aber den Inhibitor (I) „verloren“ hat, bezeichnen wir nach dieser Theorie als genetisch „Golden“. Das stark geweitete Agoutiband ist je nach der Grundfarbe der Katze hellbraun oder cremig gefärbt. Allerdings zeigen nicht all diese Katzen das gewünschte Erscheinungsbild, das die „Golden“ in Show-Qualität haben sollte. So versinken mit Sicherheit viele der Katzen, die mit dieser genetischen Ausstattung geboren werden, als „schlechte Tabbys“ in der Versenkung, da sie vor dem Richter nicht bestehen können. Und doch könnten sie der Anfang für ein „Golden“ – Zuchtprogramm sein. 5. Rufismus Neben den bekannten Modifikatoren wie Ticking-Tabby-Modifikatoren, und Inhibition muss im Zusammenhang mit der Goldenen Katze auf die sogenannte „Rufus-Gruppe“ eingegangen werden. Hier handelt es sich um eine Gengruppe (Polygene), die noch nicht isoliert werden konnte, die züchterisch jedoch steuerbar ist. Ihr Einfluss kann bei sorgfältiger Selektion über mehrere Generationen begünstigt oder nahezu ausgemerzt werden. Sie bewirkt eine Gelb - bis Rottönung des Haarschafts. Rufismus macht sich insbesondere bei black-tabby-Katzen durch einen warmen, rötlichen Ton des Unterfells bemerkbar. In der Silberzucht ist diese Erscheinung unerwünscht, da sie den kühlen, strahlenden Glanz des Silbers zerstört. In der Golden-Zucht ist der Züchter auf diese Gene angewiesen, um den typischen, warmen Glanz zu erhalten, der angestrebt wird, damit die „Golden“ Show-Qualität erreicht. Hier zeigt sich ein Dilemma für den Golden-Züchter: zur Verbesserung der Goldenen Farbe sollten immer wieder Silbertiere angepaart werden (zur Erweiterung der Bänderung), doch werden aus diesen Verpaarungen auch Silbertiere fallen, die unter Umständen diese, für Silber unerwünschte Gengruppe, erben können. 6. Wichtige Schlussfolgerungen Aus der bisherigen Erörterung ergeben sich einige wichtige Schlussfolgerungen für das Verständnis der Farbe „Golden“. Auch soll an dieser Stelle mit einigen Irrtümern aufgeräumt werden. • „Golden“ existiert in allen Abstufungen, in denen auch „Silber“ in Erscheinung tritt: „Golden Chinchilla“, “Golden Shaded“ „Golden Tabby“, „Golden Smoke“. Das Unterfell zeichnet sich durch eine warme Apricotfärbung aus (Im Gegensatz zu Silber: weissliches Unterfell, black-tabby: graubraunes Unterfell) (Übrigens wunderbar zu sehen beim Auskämmen!) • Genetisch existiert „Golden“ in allen Farben, da sich (wb) weitervererbt, auch z.B. auf rote Katzen. Phänotypisch ist es nur dann sichtbar ( und züchterisch sinnvoll) wenn ein ausreichender Kontrast zur Ursprungsfarbe des Haars gegeben ist. Eine „Red-Golden“ wird man aufgrund mangelnden Kontrasts kaum erkennen, bei bunten Mädchen wird die Farbe nur in den schwarzen Bereichen sichtbar sein. Aus diesem Grund wird die Golden vor allem in den Farben „Black (-tabby)“ und „Blue (-tabby)“ gezüchtet, also in den Eumelanin – basierten Farben. Hier ist die Wirkung auch am Schönsten. • Eine „Golden“ wird ihr (wb) dominant an die Nachzucht weitergeben (analog zu „Silber“), sie kann demnach reinerbig oder mischerbig „Golden“ sein. Aus einer Verpaarung mit einer „Golden“ werden auch dann „Golden“ Jungtiere geboren, wenn der Paarungspartner nicht „Silber“ ist! • Theoretisch kann eine „Golden“ auch aus einer „Silber - Nichtsilber“ –Verpaarung geboren werden, da (wb) nur einmal vorhanden sein muss, um als dominantes Gen in Erscheinung zu treten. Die Wahrscheinlichkeit ist aber geringer, als bei einer reinen „Silber“ Verpaarung. Da ein solches Jungtier auch meist nicht erwartet wird, wird es wohl meist als „ohne Silber“ in der entsprechenden Farbe bestimmt, und der Züchter wundert sich über die „schlechte Zeichnung“. • Eine „Golden“ kann niemals aus einer Verpaarung gezogen werden, bei der die Elterntiere weder „Silber“ noch „Golden“ sind (z.B. aus zwei „black-tabbys“ mit warmgetönten Unterfell.). Das (wb) entsteht nicht aus dem Nichts! • Eine „Silber“ - Katze, die starken Rufismus aufweist, ist keine „Golden“! Berichte über junge „Silber“ Katzen, die erwachsen plötzlich „Golden“ sind, gehören ins Reich der Legende, bzw. ein optischer Eindruck wurde falsch interpretiert. Der Rufismus verbessert die Farbe „Golden“, er ist aber nicht die Ursache. Beweis: aus zwei echten „Goldens“ wird nie mehr eine „Silber“ geboren. • Die Farbe „Golden“ kann theoretisch bei allen Katzenrassen auftreten, die in den Silberfarbschlägen gezüchtet werden. Es gehört vielleicht Glück dazu, es mag in einigen Fällen auch unerwünscht sein, aber eine Fremdeinkreuzung ist nicht nötig. Wer sich dafür interessiert, sollte jedoch bedenken, dass der Weg zur „Golden“ in „Showqualität“ unter Umständen lang sein kann. copyright: Viktoria Röntgen
Dieser Eintrag wurde erstellt von...
Antonia Zugna-Bley - zugna@gmx.de
www.edgewood-dirk.de
Quelle: V. Röntgen
14.07.2005 23:30 - 84.143.240.20

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